Kontakt   |  Impressum
Herrnhuter Brüdergemeine

Liebe Kinder und Junggebliebene,

sicher lag bei einigen von Euch das ein oder andere Spiel auf dem Gabentisch? Ich spiele schon immer unheimlich gern – als Kind mit meiner Oma hauptsächlich „Halma“ und „Mensch ärgere Dich nicht“, als Teenager Kartenspiele und „Monopoly“. Mein Mann und ich konnten uns eine Zeitlang für „Die Siedler von Catan“ begeistern, und später hatte ich mit unseren Kindern immer viel Spaß an einer Partie „Memory“. Heute spiele ich das noch hin und wieder mit meiner kleinen Nichte.

Auf dem Gemeintag in Hamburg im vorigen November haben wir ebenfalls gespielt, allerdings nicht mit Brett und Würfel. Wir wurden in 2 Gruppen aufgeteilt, in denen es ganz unterschiedliche (Spiel-) Regeln gab, die der jeweils anderen Gruppe erstmal nicht verraten wurden. Die eine Gruppe stellte – stark verkürzt und auf den Punkt gebracht – eine Gesellschaft dar, in der man sehr freundlich zueinander war, sich z.B. zur Begrüßung und zum Abschied umarmte. Man durfte allerdings auch nicht „aus der Reihe tanzen“, ohne dass das Konsequenzen gehabt hätte. Ich habe mich in dieser Gruppe einigermaßen wohl gefühlt, wenn es auch mit der Zeit etwas anstrengend wurde. In der anderen Gesellschaft interessierte man sich hingegen überhaupt nicht für seinen Nächsten, dort ging es nur darum, möglichst schnell „reich“ zu werden. Und dort ist mir Folgendes passiert: obwohl das viel weniger meiner Natur entspricht und ich mich dort zutiefst unwohl gefühlt habe, habe ich mich ganz automatisch eingereiht in den Strom der ernst und geschäftig dreinblickenden Leute!

Da ist mir etwas aufgefallen, und zwar: wie ich mich im Spiel verhalte, das hat ganz viel mit dem „wahren“ Leben zu tun, denn ich bin generell sehr schnell anpassungsbereit, und ich finde, dass das nicht immer gut ist. Die Fähigkeit und grundsätzliche Bereitschaft, sich anzupassen, die ist sicherlich hilfreich oder sogar nötig, um in einer Gemeinschaft gut zurecht zu kommen (obwohl Menschen mit einer ausgeprägten Ich-zuerst-Einstellung in Amerika sogar zum Präsidenten gewählt werden…;-)). Wieviel Anpassung ist also angemessen? Das muss jeder Mensch im Laufe seines Lebens für sich selber herausfinden. Oft sind Kompromisse nötig, z.B. wenn man in schlechter Stimmung auf einer fröhlichen Party ist, sollte man die anderen Gäste zwar nicht mit der eigenen Laune nerven – aber man muss auch nicht tanzen und singen, wenn einem nicht danach ist! Ebenso ist es wohl unpassend, auf einer Beerdigung laut loszulachen – aber ich finde man darf lächeln, wenn einem ein schönes, vielleicht lustiges Erlebnis, dass man mit eben diesem Menschen hatte, in den Sinn kommt.

Sicherlich wird es immer Leute geben, die einen zurechtweisen mit den Worten „Das gehört sich aber nicht!“, aber diese Menschen haben oft selbst nie gelernt, eigene Entscheidungen darüber zu treffen, was angemessen ist und was nicht. Deshalb ist es wohl das Beste sich bei eigener Unsicherheit an den Menschen zu orientieren, denen man vertraut – und am eigenen Bauchgefühl! Grundsätzliches dazu, welches Verhalten unser Vater im Himmel von uns erwartet, steht übrigens in der Bibel, z.B. in den 10 Geboten (2. Buch Mose (Kapitel 20) und im 5. Buch Mose (Kapitel 5).

Mögen wir Alle in den kommenden 12 Monaten viele kluge, gute Entscheidungen treffen!

Ein frohes und gesegnetes Neues Jahr wünscht Claudia Geller