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Herrnhuter Brüdergemeine

359
November/Dezember 2017

Gott spricht:
Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.

Monatsspruch November Ez 37,27

Liebe Geschwister,

der 9. November ist ein wichtiger Tag in der deutschen Geschichte. Beim posi-tiven Gedenken an den Fall der Mauer darf auch die Reichsprogromnacht 1938 mit der Entrechtung, Plünderung und Tötung von Deutschen jüdischen Glaubens nicht vergessen werden. Trotzdem möchte ich über den Mauerfall nachdenken.
Wer den Monatsspruch im Zusammenhang liest, sieht sofort die Parallele.
Ezechiel wird beauftragt zwei Stück Holz zu holen. Auf das eine schreibt er
Israel und auf das andere Juda. Nun fügt er beide Holzstücke zusammen und sie werden ein einziges Holzstück. Diese Zeichenhandlung soll symbolisieren:
Das Volk Gottes ist getrennt. Die Israeliten, die ehemals im Nordreich lebten, sind verstreut über viele Länder. Die Judäer sind teilweise in der babylonischen Gefangenschaft. Das Volk Gottes ist weit verstreut.
Mit dieser Symbolhandlung mache Ezechiel Gottes Verheißung sichtbar: Ich werde mein Volk wieder vereinen, ich werde sie aus vielen Ländern zusammenführen. Unter dem „Idealherrscher“ David werden sie nach meinen Rechtssätzen leben und ich werde einen Friedensbund mit ihnen schließen.
In gewisser Weise als Krönung dieser Gotteszusage ist der Monatsspruch zu sehen: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.
Die neue Züricher Bibel übersetzt den Monatsspruch pointierter und dem Hebräischen wesentlich getreuer: Und meine Wohnung wird über ihnen sein, und ich werde ihnen Gott sein, und sie, sie werden mir Volk sein.
Zwei Dinge kommen hier deutlich zum Ausdruck: Gott möchte nicht zwischen den Menschen wohnen, sondern möchte wie eine segnende Schutzglocke über seinem Volk sein, so dass er alle sieht und beschützen kann. Und ein anderes: Es wird eine neue Beziehung zwischen Gott und dem Volk entstehen: ich werde für sie Gott sein und sie werden mir/für mich Volk sein.
Für Ezechiel gehört das zusammen: Gottes Zusage der Wiedervereinigung und die neue Gottesbeziehung in diesem neuen jüdischen Reich. Die Wiedervereinigung ist auch teilweise mit der Rückkehr aus Babylonien erfolgt: ein neuer Tempel, gewisse Autonomie, eigene Regierung (das nicht alles so ideal verlaufen ist, darüber berichten Ersa und Nehemia).
Wir können Gott dankbar sein, dass er uns diese friedliche Wiedervereinigung 1989/90 geschenkt hat. Nur sehr wenige haben daran wirklich geglaubt. Es ist ein wunderbares Geschenk Gottes. Wie Ezechiel zugesagt hat er unser Volk wieder zusammengebracht. Ist es dann nicht auch an uns, dass wir uns ihm wieder zuwenden und seinen Weisungen? Ist Gott wirklich in diesem Sinne Gott für uns oder vielleicht auch für mich? Und sind wir ein Volk für ihn?

Ganz herzlich grüße ich euch alle auch im Namen von Bruder Herrmann und wünsche euch eine gesegnete Voradvents- und Adventszeit!

Niels Gärtner