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Herrnhuter Brüdergemeine


358
September/Oktober 2017

Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes
über einen Sünder, der Buße tut.

Monatsspruch Oktober Lukas 15, 10

Liebe Geschwister,

ist es euch schon einmal so gegangen? Ein Kind, vielleicht sogar das eigene Kind, ist weggelaufen. Gerade war es noch da und auf einmal meinem Blickwinkel entschwunden. Ich rufe und bekomme keine Antwort. Ich laufe umher und suche den ganzen Spielplatz ab. Aber mein Kind ist nicht da. Ich bekomme Angst. Wo ist das Kind? Was ist ihm passiert? Ist es verletzt? Ist es mit jemand mitgegangen? Was soll ich jetzt tun? Eine große, existenzielle Angst befällt mich.

Meistens taucht das Kind ja wieder auf: „Ich wollte doch nur einmal dort an den Bach gehen.“ oder „Das Mädchen wollte mir nur ihren Roller zeigen.“. Ich selbst bin dann glücklich und die Freude über das wiedergefundene Kind ist riesengroß. Es ist in diesem Augenblick das Wichtigste auf der Welt für mich.
So eine ähnliche Geschichte erzählt Lukas in seinem Evangelium: die Ge-schichte vom verlorenen Sohn oder besser die Geschichte vom barmherzigen Vater. Dieser Vater ist über froh, dass sein geliebter Sohn wieder nach Hause gekommen ist. Sein Herz ist voll von Freude und dieser Sohn ist jetzt das Wichtigste auf der Welt. Der bei ihm gebliebene Sohn versteht das nicht: Warum ist er glücklicher über den zurückgekehrten Sohn als über mich, der ich immer bei ihm war? Das ist doch ungerecht!
Direkt vor dieser Geschichte steht der Monatsspruch: „Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut“. Und was ist mit den Gerechten? Freut sich Gott nicht über sie?

Eine nicht einfache Frage. Für Gott steht aber in diesem Augenblick derjenige im Mittelpunkt, der Buße tut, der wiedergefunden wird, der zurückkehrt. Wenn jemand zurückkehrt, wenn das Kind gefunden wird, dann ist die Freude riesengroß. Aber Freude ist nicht statisch. Sie bleibt nicht für die Ewigkeit. Am nächsten Tag muss der verlorene Sohn auch wieder mitarbeiten und ist nur einer von den beiden Söhnen.
Gott ist nicht der strafende Richter, der mir als erstes meine Verfehlungen vor-hält und mich ausschimpft, sondern Gott ist der barmherzige Vater, der mich mit seinem großen Herzen aufnimmt, wenn ich zu ihm zurückkehre. Das ist für ihn wichtig und darüber freut er sich enorm. Wovor soll ich da Angst haben?

Ich grüße euch alle ganz herzlich auch im Namen von Christian Herrmann

U_Gärtner