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Herrnhuter Brüdergemeine

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März/April 2017

Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich.

Johannes 17, 22-23

Liebe Geschwister,

am 1. März denken wir zurück an den Beginn der Brüder-Unität. Vor 560 Jahren, im Jahre 1457, beschlossen die ersten Brüder und Schwestern in Kunwald ein Leben nach der Bergpredigt zu führen. Fern ab von Macht und Korruption wollten sie ihren Weg zu und mit Gott finden. Die Geburtsstunde der Brüder-Unität.
Wenn wir heute auf unsere Kirche schauen, dann sind wir weit weg von dieser Beschaulichkeit der Anfangszeit. Wir sind manchmal stolz, dass die Brüder-Unität vor allem durch die Missionsarbeit nach 1732 zu einer internationalen Kirche geworden ist, dass wir Geschwister in Tansania, Südafrika und Nikaragua haben, dass wir eine wachsende Kirche sind (jedenfalls in Afrika!). Aber diese Kirche hat ihre Beschaulichkeit verloren. Unsere Geschwister auf anderen Kontinenten sind nicht mehr „kleine Herrnhuter“, die dem Ideal der 1720er Jahre nacheifern. Sie sind selbstständig geworden. Sie versuchen, das Evangelium und ihre brüderische Tradition in ihrem Kontext zu sehen und zu leben. Und das sieht manchmal sehr anders aus als bei uns.
Auf der letzten Unitätssynode 2016 in Jamaika wurde das wieder deutlich. Was ist es eigentlich, dass uns zusammenhält? Viel schneller wurde klar, wo wir uns unterscheiden: im Amtsverständnis der Bischöfe, im Leitungsstil, im Schriftverständnis, in moralischen Fragen, im Missionsverständnis. Was hält uns zusammen? Ist das noch „meine“ Kirche?
Die beschauliche Einheit von Kunwald funktioniert nur im kleinen, nahen Kontext. Heute sind wir groß mit über eine Million Geschwistern weltweit und die Einheit ist eine Herausforderung.
Manche wollen angesichts der Konflikte aufgeben. Aber ich denke, dass wir an dieser Herausforderung „Einheit“ arbeiten müssen. Das ist nicht einfach, aber es ist Gottes Wille. Denn Jesus selbst gibt seinen Jüngern diese Botschaft mit auf den Weg: Nur wenn ihr einig seid, kann die Welt erkennen, dass Gott Jesus in die Welt geschickt hat, also das Evangelium. Wenn ihr streitet und euch abgrenzt, ist die Liebe Gottes nicht sichtbar. Deshalb streitet für die Einheit!
Diese Verheißung und Mahnung Jesu hat an Aktualität nicht verloren. Und es ist auch heute eine Aufgabe, die nicht mit einfachen Parolen daherkommt, sondern die das Gespräch sucht, einander annimmt, zuhört, Toleranz und Menschlichkeit zeigt, Verschiedenheit nicht als Bedrohung ansieht und an die eigene Begrenztheit appelliert. Machen wir uns auf diesen Weg?

Ich wünsche euch allen eine gesegnete Passions- und Osterzeit und Grüße herzlich von Bruder Herrmann

Niels Gärtner