Kontakt   |  Impressum
Herrnhuter Brüdergemeine


353
November/Dezember 2016

Mein Wort wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.

Losung 27.11.2016 (1.Advent) Jes 55,11

Liebe Geschwister,

„Mein Wort wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen!“ – mit diesem Wort aus dem Propheten Jesaja beginnt das neue Kirchenjahr. Mein Wort wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen.
Widerspricht das nicht meinen Erfahrungen? Die Welt wird undurchsichtiger. Wer kämpft da in Syrien gegen wen? Was passiert in Somalia? Warum gibt es so viel Gewalt gegen Frauen in Indien? Wohin führt uns die AfD in Deutschland? Und was ist mit der Türkei?
Überall entstehen neue Konflikte, Mauern werden aufgebaut, Menschen wollen sich nicht verstehen, alte und neue Feindbilder werden aus der Mottenkiste geholt. Ist das ein gutes Zeichen für ein neues Jahr oder macht es mir vielleicht Angst vor Krieg, Terror oder sozialem Abstieg?
Die Welt ist unsicherer geworden und häufig versteht man die Menschen nur, wenn man sich intensiv mit der Situation und der Geschichte beschäftigt. Und das können wir nicht überall.
Gerade angesichts dieser angstmachenden Unklarheit ist es gut, wenn wir genau auf Gottes Wort zu Beginn des neuen Kirchenjahres hören: „Mein Wort wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.“
Gottes Wort kann in diese Welt kommen und es kann die Welt verändern. Es wird das tun, was Gott möchte. Gott macht klar: Ich kann in dieser Welt handeln und ich handele in dieser Welt!
Aber es bleibt meine Frage: Warum kannst du jetzt nichts tun, Gott? Die Welt verbessern? Gerechtigkeit und Frieden schicken?
Auf diese Frage habe ich keine Antwort. Und damit stehe ich nicht allein, sondern bin vereint mit vielen Mitmenschen heute und ihren Vorvätern. Aber ich weiß auch, dass sie gleichzeitig an die Tatkräftigkeit Gottes glaubten, dass er die Welt verändern kann, dass er sein Wort in diese Welt schicken kann.
Daran glaube ich und dafür bete ich auch im neuen Kirchenjahr.

Ich wünsche euch allen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit

Niels Gärtner